Jünger, als du denkst

50 ist das neue 40, 75 das neue 60 – das klingt nach Selbstbetrug. Doch die Wissenschaft hat herausgefunden: Wer sich nicht für so alt hält, wie er ist, lebt länger und zufriedener

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Alter gehört zu den stärksten sozialen Kate­gorien, nach denen wir unsere Wahr­nehmung orga­nisieren. Und dabei ist sie die dyna­mischste, denn sie ver­ändert sich andauernd.

Es gibt viele verschiedene Alter: ein chrono­logisches, ein biologisches, ein so­ziales, ein juris­tisches, ein emotionales. Gerade das gefühlte Alter kann mit dem chrono­logischen Alter einen großen Spagat machen.

Das wird einem nirgend­wo so subtil wie brutal vor Augen geführt wie in Online-Formu­laren, in denen man seinen Jahr­gang eingeben soll. Wenn man plötzlich scrollen, scrollen und noch weiter runter­scrollen muss.

In Untersuchungen kam heraus, dass sich Kinder und Jugend­liche bis zu drei Jahre älter machen.

Es zeigte sich, dass man im Grunde nur mit 25 das »richtige« Alter hat.

Und dass die fünfte De­kade diejenige ist, von der man sich am meisten distan­zieren möchte.

Schließlich stellte sich heraus, dass sich in den USA, Westeuropa und Aus­tralien fast alle Men­schen über 60 im Schnitt 11 bis 21 Jahre jünger fühlen. Und das alles, obwohl bei uns viele Men­schen deutlich länger relativ gesund alt werden als je zuvor.

Die 75-Jährigen von heute sind kognitiv und körper­lich fitter als die 75-Jährigen vor 20 Jahren. Sie berichten von weniger Ein­schrän­kun­gen und Ein­sam­keit und von mehr Wohl­befinden. Die Kurve der Lebens­zu­friedenheit befindet sich in der Mitte des Lebens im Tal der Tränen - und fällt dann eben nicht stetig weiter ab, sondern steigt im Mittel wieder an.

In Japan liegt die Lebens­erwartung aktuell bei 85 Jahren, Tendenz steigend. Sie kann sich laut Wissen­schaftlern generell noch um bis zu 13 Jahre steigern – wenn man dem Alter positiv ent­gegen­sieht und es als Ent­wicklungs­prozess begreift.

Warum sich viele Menschen jünger fühlen, als sie sind – und wie dieses Gefühl der Schlüssel für ein längeres Leben sein kann, steht in der neuen Ausgabe der ZEIT.

Sources

Credits

Text: Nataly Bleuel
Titelillustration: Tyler Spangler
Illustration: Till Lauer
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Johannes Mitterer, Christian Krug

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